Aus Serbien.
Ich komme in Belgrad an. Viele junge Menschen, viele Bars. Die Stadt lebt. Mein Hostel liegt im dritten Stock eines Universitätsgebäudes. Eigentlich eine Drei-Zimmer Wohnung. Zwanzig Betten. Anastasia und Musa empfangen mich. Sie arbeiten hier. Es fühlt sich an wie eine große WG.
Abends sitzen wir meist vor dem Fernseher. Im Hintergrund läuft ein WM Spiel, doch meistens geht es um Politik und ums Leben.
Für mich war Serbien ein Durchgangsland Richtung Osten. Ich bleibe länger. Es wirkt auf mich wie ein Knotenpunkt. Zwischen Ost und West. Hier kreuzt sich vieles.
Ich höre viele ähnliche Geschichten. Von Menschen, die warten. Auf Papiere. Auf Visa. Auf Entscheidungen. Der 22-jährige Fedor erzählt mir, er könne nicht zurück nach Hause. Probleme mit dem Militär. Ich sage ihm, dass ich ihn mutig finde. Seine Augen werden glasig. Er vermisst seine Familie. Auch Musa erzählt mir, er hat als Anwalt gearbeitet. „Mir ist Gerechtigkeit wichtig. Die gibt es in meiner Heimat nicht.“
Im Jugoslawien-Museum erfahre ich wenig Neues. Doch einige erzählen mir, dass sie Jugoslawien besser fanden. Bildung und Gesundheit waren kostenlos. Viele haben Verwandte, die mittlerweile in Deutschland arbeiten.
Heute sind viele Menschen in den Straßen. Es findet eine Demonstration für Vučić statt. Eine Frau zeigt den Demonstrierenden den Mittelfinger und schreit sie an. Ein Student erklärt mir, dass es seit der Studentenbewegung immer mehr Proteste gibt. Seit einem Jahr gehen besonders junge Menschen gegen die Regierung auf die Straße.
Neben all dem bleibt der Sommer. Ich finde schnell Anschluss. Mit einem neuen Freund gehe ich abends ins Freibad. Fast 40 Grad hatte es heute. Als wir uns um 21 Uhr treffen, ist die Schlange lang. Vierzig Minuten warten für eine Abkühlung. Normal hier an heißen Tagen, auch spät am Abend. Vor dem Becken muss man durch ein kleines Kneippbecken laufen, vermutlich für saubere Füße. Duschen sehe ich keine. Egal.
Ich wusste bisher nicht viel über Serbien. Doch ich bin fasziniert. Vom Essen, von der Wärme der Menschen, von der Geschichte.
Abends sitze ich an der Belgrader Festung und sehe mir den Sonnenuntergang an. Dieselbe Sonne wie in Europa und Marokko. Vor ihr sind graue Plattenbauten.







