SPUR

🇳🇱 Hyggelige Jurte

aus den Niederlanden.


Schlafen, Essen, Meer, schreiben. So habe ich mir das vorgestellt.

Wo die Welt langsamer ist

Feuer gemacht. Schaukelstuhl. Wolldecke. Ich sitze am warmen Ofen und blicke nach oben. Sehe durch die runde Luke an der Decke der Jurte. Der Himmel färbt sich langsam lila. Es wird dunkel. Der Wind rauscht durch die Bäume, begleitet vom leisen Kreisen des Propellers am Ofen, der die warme Luft im Raum verteilt. Ich warte, bis es ganz dunkel ist, erst dann zünde ich mir die Kerzen an. Gestern Abend beim Einschlafen ein sanftes Tröpfeln des Regens. Es ist schön hier. 

Während ich über den Deich zu den Dünen radle, denk ich darüber nach, wie weit hier alles ist. Ich sehe den Horizont, kann kilometerweit schauen. Irgendwas macht das mit mir. Es gibt mir Ruhe. Diese Weite. Die Klarheit in der Luft. Die nordische Einfachheit spüre ich am ersten Tag. Man braucht nicht viel zum Leben: ein Fahrrad, Wind im Gesicht, ein Radio, Feuer, Essen und Wasser… 

Ich mag das einfache Leben in der Jurte. Ich mag diesen Zeltcharakter. Hier schreibe ich. Ohne Eile. Seite für Seite. Am Frühstückstisch sitzend schaue ich auf die Rundungen, hier gibt es keine Ecken. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn im ganzen Kreis meine Liebsten um mich säßen, das Feuer in der Mitte. Vertraut. 

In Dänemark gibt es dafür auch ein Wort: Hygge. Es ist das Gefühl von Geborgenheit, Wärme und Einfachheit. Es geht bei Hygge nicht um Perfektion, sondern um das Gute im Kleinen. Kerzenlicht, ein warmes Getränk, Zeit, Nähe, Ruhe. Hygge ist ein Lebensgefühl. 

Gibt es Hygge auch in den Niederlanden?

Ja. Ich glaube, es gibt es auch da, wo du gerade bist. Vielleicht ist es leiser, aber es ist da. Vermutlich gibt es Hygge überall, wenn man langsam genug wird, um es zu bemerken.

Ich laufe durch den kleinen Ort Schagen in den Westniederlanden. Schagen wirkt auf mich verschlafen bei meiner Ankunft am Abend. Die Weihnachtsbeleuchtung hängt noch. Der Supermarkt hat allerdings auch Sonntags offen. Alle halbe Stunde fahren Züge nach Amsterdam. Die Fahrt dauert nur knapp eine Stunde. Und doch fühlt sich die Großstadt ganz weit weg an. Abends, wenn es dunkel wird, sehe ich in die Häuser. Auffällig ist: kaum Gardinen. Große Fenster, freier Blick nach innen. Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Helle weiße Wohnungen. Schummriges Licht mit vielen Holzmöbeln. LED Leisten, riesiger Flachbildschirm. Oder das Sofa voller Teddybären, als hätte jemand all seine Erinnerungen dort gesammelt.

Warum keine Gardinen?

Vielleicht, weil Offenheit hier dazugehört. Historisch vom Kalvinismus geprägt, von dem Gedanken: Wir haben nichts zu verbergen. 

Vielleicht auch, weil Licht kostbar ist und man es hereinlassen möchte. Beim Gehen durch die Straßen fühlt sich das an wie ein stilles Dabeisein. Sehen und gesehen werden, ohne sich zu erklären. Ein stilles Lächeln von einem Mann mit Kind auf dem Sofa erreicht mich. Peinlich berührt schaue ich weg.

Die Menschen fragen mich: Was ist dein erstes Ziel? Wohin soll es gehen? Ich weiß genau, warum ich hier bin. In der Jurte. Hier scheint die Welt langsamer zu sein. Ohne Internet.

Genau hier ist mein Hygge.

Und das nehme ich mit auf die Reise.


Deine Grüße, deine Gedanken, ein paar Zeilen oder einfach ein Hallo – ab ins Gästebuch!
Ich freu mich von dir zu lesen.

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