aus den Niederlanden.
Es ist dunkel draußen. Der Ofen knackt leise. Ich sitze davor. Auf einmal flattern draußen am kleinen Kanal die Enten los. Sie quaken. Etwas hat sie aus der Stille gerissen. Das passiert immer wieder. Oder der Wind heult durch die Bäume.
Wenn der Wind dreht, höre ich auch die Autos. Das ist dann der weniger romantische Part.
Ich sitze in einem großen Zelt.
Das wird mir immer wieder bewusst. An manchen Tagen stürmt es den ganzen Tag. Der Wind heult zwischen den Bäumen. Ein Rauschen, das nicht mehr aufhört.
Drinnen sein und trotzdem irgendwie draußen.
Drei Wochen in der Jurte.
Mich fragen die Menschen: Wie ist das Alleine reisen, wird dir nicht langweilig? Langeweile gabs bisher nicht. Im Gegenteil. Umso weniger draußen los ist, umso lebendiger wird mein Innenleben. Umso mehr höre ich, was in mir abgeht. Viel. Viele Ideen. Noch lebhafter als sowieso schon.
Ich schreibe, ich schneide. Ich tanze.
Ich sitze aber auch gerne einfach rum, höre und gucke. Nicht viel. Das süße Nichtstun. Daraus kann ganz viel entstehen.
Dann tagträume ich einfach, beobachte die Tiere hier auf dem Hof. Die Hühner patrouillieren regelmäßig vor meiner Tür. Letztens war auch der Hahn da. Er hat mich angekräht. Mehrmals. Als wollte er mir etwas sagen.

Wie sieht mein Alltag hier aus? Ich stehe morgens meistens viel später auf als gedacht. Bleibe oft erstmal eine Weile liegen um mich mental darauf vorzubereiten in die Kälte zu hüpfen. Die Jurte ist ein großes Zelt. Meistens hat es morgens 10 Grad. Vor ein paar Tagen war es eisig. Da waren es sogar nur 6 Grad. Wenn der Wind nicht zu stark ist, radle ich mittags ans Meer.
Das Alleinsein genieße ich. Normalerweise bin ich selten alleine. Wenn ich mich mal einsam fühle, rufe ich meinen Partner an, eine Freundin oder meine Eltern.
Alle sind nur einen Anruf entfernt.
Unsere vernetzte Welt. Meistens überkommt mich eher ein Gefühl der Dankbarkeit. Reisen zu können. Die Möglichkeit zu haben.
Ein alter Bekannter schreibt mir: Nachts ist die Zeit für Kreativität. So gehts mir oft. Es wird still ab 22 Uhr. Meine Kreativität blüht auf. Kennst du das auch? Hans Zimmer komponiert anscheinend immer nachts.
Langsam packe ich meine Sachen. Ciao Elles und Sjer. Ciao zu ihrer Familie. Zu den Hühnern vor der Tür. Ciao Gegenwind, Dünen und Jurte.
Es geht weiter.



